Privacy- und Sicherheitsaspekte

Dissertation "Privacy- und Sicherheitsaspekte in ubiquitären Umgebungen" als Buch und als PDF
datenweitergabe
Gestern war Wolfgang Bosbach bei der Sendung Hart aber Fair zu Gast. Zur Erinnerung: Der Mann ist von Beruf Rechtsanwalt und außerdem Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Gleich zu Anfang (ab ca. Minute 11:45) erklärt er, wieso er den Ankauf der Daten für richtig hält:
Übrigens nicht nur aus den juristischen Argumenten: Hehlerei ist Unsinn - Daten sind keine Sache, da kann man keine Hehlerei betreiben. Die Straftat ist beendet, da gibt's auch keine Mittäterschaft mehr.
Wo bleibt eigentlich das Gegenangebot der Steuersünder? Wäre doch fast Zeit für die Auktionsplattform "www.taxevader-international.org"... biete kompromittierendes Material und verkaufe es meistbietend - zahlt der Steuersünder, hat er Glück gehabt; gewinnt der Staat, kann er die Steuersünder verknacken.
Sorry für den Zynismus. Da war der Gedanke, die Community könnte die Kohle sammeln und die CD dann bei Wikileaks einstellen, ja schon fast sinnvoll :-)
Es mehren sich die Stimmen (insbesondere aus der Koalitionsführung), daß man die Daten der potentiellen Steuersünder kaufen soll - für die geforderten 2,5 Millionen Euro könnte man Steuerschulden im Gegenwert von geschätzten 100 Millionen Euro eintreiben. Ich will noch nicht einmal so weit gehen, über die Datenschutz-Implikationen zu reden... oder die Möglichkeit, daß es sich größtenteils um Dummy-Daten oder die Daten von Unschuldigen handelt... vorher sind zwei noch grundlegendere Tatsachen festzuhalten:
- Die Daten stammen aus illegaler Quelle - vermutlich hat irgendein Bankangestellter mit entsprechendem Zugriff sie gesammelt
- Das ausschließliche Interesse des Verkäufers ist, sich persönlich zu bereichern
Vergangenes Wochenende habe ich die Anleitung für einen alten DVD-Player gesucht. Die Papierversion war im Haushalt verschwunden, aber ein Blick ins Netz schickte mich zu fnet.de. Dort gab es tatsächlich einen Scan der von mir gesuchten Anleitung - ein direkter Download ist auf der Seite jedoch nicht möglich, man bekommt vielmehr einen Download-Link per Mail zugeschickt.
Eigentlich hatte (kurz nach der Entdeckung) bereits ein Bekannter mit mir vereinbart, den Film "Meine Daten und ich" zu bestellen und nach dem ersten Sichten an mich weiterzugeben. Um so erstaunter war ich, ein Päckchen von GMfilms in meinem Briefkasten zu finden. Der Inhalt: Die DVD, zusammen mit einem netten Brief - damit ich nicht darauf angewiesen wäre (wie im vorigen Artikel geschrieben) auf die Meinung eines anderen warten zu müssen. Der Bitte, meine Meinung zum Film zu äußern, komme ich hiermit gerne nach - ich hatte es ja ohnehin vor :-)
Heute abend um 23:30 läuft im ZDF die Reportage "Der gläserne Deutsche - Wie wir Bürger ausgespäht werden" (Edit: Wer sie verpaßt hat, kann sie hier in der ZDF-Mediathek ansehen... man, I love that feature! Außerdem gibt es eine Kopie bei archive.org). Ähnlich wie die Sendung "Wer hat meine Daten?" von vor zweieinhalb Jahren (zu sehen bei Youtube oder als Download von diversen Servern) berichtet die Reportage über die erschreckende Leichtigkeit, wenn man private Daten erstehen möchte, den leichtfertigen Umgang der Menschen mit ihren Daten, sowie Situationen, in denen man zur Datenherausgabe gezwungen wird - so führt wohl die Deutsche Post ein umfangreiches Datenregister, in welches unter anderem die Daten von Nachsendeanträgen einfließen.
Im letzten Sommer hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen per Probekauf belegt, wie der illegale Handel mit Kundendaten floriert - und damit den "Datenschutzsommer" losgetreten. Ein ehemaliger Callcenter-Angestellter hatte dem Verband 6 Millionen Datensätze (einschließlich Bankverbindungen) verkauft. Dafür stand er nun vor Gericht - und wurde zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. Ich fasse es nicht - die Message dieses Urteils: Datenhandel lohnt sich!
(Edit: Auch wenn mir der Betrag noch immer gering erscheint, so ist doch dieser Hinweis zu beachten: Das Strafmaß wird wohl in Tagessätzen angesetzt, und der Beklagte ist laut Bericht arbeitslos)
Nach jedem pressewirksamen Skandal dauert es nicht lange, bis der erste Politiker vorprescht, der Regierung (bzw. dem Koalitionspartner) Handlungsunfähigkeit und Trägheit vorwirft - und so versucht, das medienrelevante Thema für sich zu proklamieren. So fordert Sebastian Edathy "mehr Datenschutz noch vor Weihnachten" nach dem aktuellen Kundendaten-Skandal: Es ist dringend nötig, "daß der außer Kontrolle geratene Datenhandel endlich gestoppt werden muß". Daten sollen nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Kunden weitergegeben werden dürfen, außerdem sollen Vertragsabschlüsse nicht mehr an die Einwilligung zur Weitergabe von Daten gebunden sein.
Die Telekom-Pannen und die ersten Kundendaten-Sammlungen inklusive zugehöriger Bankverbindungen füllten als "Datenschutz-Sommer" das pressetechnische Sommerloch. Damals schon als GAU bezeichnet, werden diese Vorkommnisse nochmals deutlich getoppt: Der Wirtschaftswoche wurden Kunden- und Bankverbindungsdaten von insgesamt 21 Millionen Bundesbürgern zum Kauf angeboten. Der Artikel titelt:
"Danach müssen im Extremfall drei von vier Haushalten in Deutschland fürchten, dass Geld von ihrem Girokonto abgebucht wird, ohne dass sie jemals eine Einzugsermächtigung erteilt haben."
Das Problem ist aber nicht nur der laxe Umgang mit dem Datenschutz und die unkontrollierte Weitergabe von Informationen - auch die nicht mehr zeitgemäßen Prozeduren der deutschen Banken sind Teil des Problems.
Google hat seine Webbrowser-Entwicklung "Google Chrome" veröffentlicht - nach alter Firmentradition als "Beta"-Version. Die ersten Testmeldungen überschlagen sich: Google Chrome wäre sowohl beim Seitenaufbau als auch beim Ausführen von JavaScript der schnellste Browser. Nach knapp 24 Stunden kamen dann aber die ersten Negativ-Meldungen: Mit dem Datenschutz geht Google reichlich großzügig um - unter der Hochglanz-Oberfläche lauert so manche übelriechende Tretmine.