Man zahlt immer - nur nicht immer mit Geld

Vergangenes Wochenende habe ich die Anleitung für einen alten DVD-Player gesucht. Die Papierversion war im Haushalt verschwunden, aber ein Blick ins Netz schickte mich zu fnet.de. Dort gab es tatsächlich einen Scan der von mir gesuchten Anleitung - ein direkter Download ist auf der Seite jedoch nicht möglich, man bekommt vielmehr einen Download-Link per Mail zugeschickt.

Man darf mich gerne Pessimist nennen - aber das ist der Punkt, an dem ich dünnhäutig-mißtrauisch werde. Aber gut, wofür gibt es Spamgourmet? :-)

Eben, beim leeren des Spamfolders, habe ich meine persönliche Genugtuung erhalten: Eine Mail adressiert an die für den Download angelegte Einwegadresse. Naja, der Spuk wird sehr bald ein Ende haben, da ich die Gültigkeit auf drei Mails limitiert habe. Die Mail enthält ganz unten den Passus, der auf den Ursprung hinweist:

Sie erhalten diese E-Mail, da Sie sich auf einem unserer Portale (www.netwerbung.de), einem unserer kostenfreien Download-Services (Freeware/Treiber/Handbücher) oder einem von uns gesponserten Projekt angemeldet haben. Die auf den Seiten jeweils hinterlegten AGB fanden Ihre Zustimmung.
Hinweis: Die Firma SuperComm Data Marketing GmbH ist technischer Versender dieser E-Mail. Bei Fragen zu den beworbenen Produkten/Dienstleistungen wenden Sie sich bitte direkt an den jeweiligen Anbieter.

Ich habe weiter nachgehakt und mir die Datenschutzrichtlinien von fnet durchgelesen. Und tatsächlich, tief unten in §4 findet man den Passus:

Der Nutzer stimmt mit Ausführung (!) des ihm per e-Mail zugesendeten Download-Links zudem der Nutzung seiner personenbezogenen Daten zu Marketingzwecken ausdrücklich zu.

Weitere Hinweise auf der Seite? Fehlanzeige. Weder auf der Startseite (die man bei der Google-Suche ja ohnehin nicht zu Gesicht bekommt), noch auf der Seite der Anleitung oder der Webseite, auf der man zur Eingabe der E-Mail-Adresse aufgefordert wird. Den einzigen Hinweis, den man erhält, ist der, doch bitte zur Sicherheit einen Virenscanner zu verwenden - fnet würde nicht für Schäden durch infizierte Dateien haften. Erst die Mail mit dem Downloadlink enthält (natürlich ganz unten) den Hinweis

Sobald der Link bestaetigt(!) wird, bekommen Sie von uns auch in Zukunft Informationen (Newsletteranmeldung wird damit automatisch bestaetigt). Sie koennen sich jederzeit von diesem Dienst abmelden! Gehen Sie hierzu auf die Website undter dem Menüpunkt Newsletter abmelden.

Na gut - man hat eine faire Chance... aber es wird einem auch jede erdenkliche Möglichkeit gegeben, diese dezenten Hinweise zu übersehen.

Fazit: Eine Prise Mißtrauen bei vermeintlich kostenlosen Angeboten im Netz ist immer angebracht - spätestens wenn man irgendwelche Daten (wie Name, Adresse, E-Mail oder Geburtsdatum) angeben soll. Selbst wenn man Betrügereien wie Abo-Fallen außen vor läßt: Letzten Endes bezahlt man eigentlich immer. Manchmal eben nur nicht mit Geld.

Update: Um nach Hinweisen (insbesondere in der Mail mit dem Link) zu suchen, habe ich das Procedere ein zweites Mail - mit einer zweiten Spamgourmet-Adresse - durchlaufen; natürlich habe ich diesmal den Download-Link nicht benutzt... und trotzdem flattert mir heute eine Mail ins Haus, die mich fragt, ob ich der Gewinner des VW Fox sei. <sarcasm>Na sowas, da muß denen aber ein tragisches Mißgeschick unterlaufen sein...</sarcasm>

comments powered by Disqus