Privacy- und Sicherheitsaspekte

Dissertation "Privacy- und Sicherheitsaspekte in ubiquitären Umgebungen" als Buch und als PDF
telekom
Die deutsche Telekom läßt verlauten: Die diskutierte Sperrliste kann frühestens in 6 Monaten umgesetzt werden - so lange brauche es, die Software dafür zu entwickeln und und zu testen.
...und zum ersten Mal bin ich über die Unfähigkeit mancher Unternehmen (ganz im Gegensatz zu neulich) ganz und gar nicht traurig... :-)
(via Fefes Blog)
Manche Preisverleihungen sind deshalb peinlich, weil es zwar einen besten, aber eigentlich keinen wirklich guten Kandidaten gibt. Dieses Problem hatten die diesjährigen Big Brother Awards nicht: Kandidaten gab es mehr als genug - was nüchtern betrachtet auch wiederum ein peinlicher Zustand ist, da es sich ja um einen Negativpreis handelt.
Den Recherchen von ZDF und Wirtschaftswoche zufolge hat die Telekom im Dezember 1996 Telefonate abgehört; im Gegensatz zu den bisher bekannt gewordenen Vorfällen ging es hier nicht nur um eine Auswertung der Verbindungsdaten - hier wurden die Inhalte der Verbindungen analysiert.
...und es eskaliert noch weiter: Heute.de berichtet gerade von Vermutungen, daß schon in den 90ern die Telekom bespitzelt haben soll. Wenn das stimmt, so ist die Bespitzelei seit der Gründung 1995 integraler Teil ihrer Firmenkultur.
Diese Überschrift ist doch Realsatire pur: Schäuble warnt vor allgemeinem Vertrauensverlust.
Lieber Herr Schäuble, Ziercke, Beckstein, liebe Frau Zypries und Merk: Zu spät! Viel tiefer könnt ihr gar nicht mehr abstürzen.
Nach der Telekom-Spitzelaffäre hat der CCC eine Liste mit 10 Forderungen für einen wirksamen Schutz vor Datenverbrechen aufgestellt. "Die derzeitige Behandlung von Datenverbrechen als Kavaliersdelikt ist in keiner Weise den Folgen für den Einzelnen angemessen." - das ist genau meine Rede, und das kann ich (ebenso wie die zehn Punkte selbst) zu 100% unterschreiben.
Heute Nachmittag hatte Innenminister Schäuble Vertreter der Größen aus der Telekommunikationsbranche zur Aussprache eingeladen; Kritiker bezeichneten das Vorgehen bereits im Vorfeld als "Einladung zu Kaffee und Kuchen", die meisten Eingeladenen schlugen die Einladung aus, um nicht mit dem Negativ-Image der Telekom in Verbindung gebracht zu werden. Das Ergebnis ist - wie bei einem Kaffeekränzchen nicht anders zu erwarten - zahnlos: In zwei Stufen soll das Problem diskutiert werden - Deeskalation an allen Ecken. Und schärfere Gesetze soll es deswegen auch nicht geben.
Zunächst hieß es, daß die Telekom 2005 und 2006 die eigenen Manager überwacht hätte, um so durch Abgleich von Verbindungsdaten eine undichte Stelle zu finden. Dann stellte sich heraus, daß die Schnüffelaktionen bis ins Jahr 2000 zurückreichen. Heute berichten die Medien, daß auch Bankdaten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgeforscht, Redaktionsräume mit Kameras ausspioniert und aus den Handy-Verbindungsdaten Bewegungsprofile erstellt wurden.
Der Brüller ist aber, daß nun Wolfgang "Mr. Vorratsdatenspeicherung" Schäuble den Telekom-Vorstand nach Berlin zitiert - um "die Bedeutung des Datenschutzes in Unternehmen zu stärken". Ich male mir gerade bildlich aus, wie das Gespräch aussehen könnte (Vorsicht, Satire voraus):
Heise am Morgen verbreitet Schmerzen und Sorgen: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert eine zentrale Datenbank für Verbindungsdaten. Analog zu den britischen Bestrebungen zur Vorratsdatenspeicherung sollen die Verbindungsdaten nicht wie bisher geplant beim jeweiligen Provider, sondern in einer zentralen Datenbank in Bundeshand gespeichert werden. Hintergrund für die Forderung ist der aktuelle Skandal bei der Telekom, wo durch Abgleich von Verbindungsdaten ein undichtes Loch in der Vorstandsetage gesucht werden sollte (es wurden die Anschlüsse des Vorstands mit Telefonnummern von Reportern abgeglichen) - der BDK-Vorsitzende Jansen: "Die Telekom-Affäre ist eine Riesenchance für den Datenschutz, die wir nutzen müssen. Es ist doch offensichtlich, dass sensible Kundendaten bei privaten Unternehmen mehr als schlecht aufgehoben sind."
Oh my noodles! Wie wenig Verständnis für die Technik kann man nur haben?