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Heute ist wieder Safer Internet Day (deutsche Seite hier), eine Initiative, die insbesondere Kinder und Jugendliche für die Fallstricke und Gefahren im Netz sensibilisieren soll - sowohl direkt als auch durch Bereitstellung von Informationsmaterial für Eltern und Lehrer. Das diesjährige Motto lautet "think before you post", halbwegs treffend übersetzt mit "erst denken, dann klicken":


Watch your web LogoWatch your web heißt die gerade gestartete Kampagne des Verbraucherschutzministeriums, die Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren über die Gefahren von zu freizügigem Umgang mit persönlichen Daten (insbesondere in Social Networks) aufklären will.
Prinzipiell eine gute und längst überfällige Idee - und Grund genug, einen Blick darauf zu werfen, was unsere lieben Politiker der Jugend mitteilen wollen... und, um es gleich vorwegzunehmen - auch hier gilt wieder einmal, daß das Gegenteil von "gut" häufig "gut gemeint" ist.

"Das Internet vergißt nichts" - mit diesem Tenor gab es in der Gestrigen Ausgabe der Sendung Frontal21 einen Beitrag mit dem Titel Intimes im Internet. Im plakativen Stil von Frontal21 wird der Verlust der Privatsphäre im Netz angeprangert - dabei wurden aber zwei völlig unterschiedliche Problematiken vermischt.


Es war ja vorherzusehen: Die StudiVZ Ltd. ist kein Wohltätigkeitsverein, das Betreiben der Plattform kostet Geld - es muß Sorge getragen werden, daß Geld in die Kassen fließen kann. Und das hat StudiVZ mit einer Änderung der AGBs versucht. Die beiden essenziellen Punkte: Ähnlich wie bei Facebook versucht man, "innovative" Werbekanäle zu öffnen - bei StudiVZ Werbung via SMS und Instant Messenger. Außerdem will man das wahre Kapital von StudiVZ - die Benutzerdaten - schützen: Das Abmelden von der Plattform bedeutet nun nicht mehr, daß die eigenen Daten gelöscht werden; sie sind ab sofort nur nicht mehr öffentlich erreichbar. Das ist der Versuch, eine permanente Speicherung der Daten zu ermöglichen.
Allerdings war StudiVZ (wieder einmal) zu forsch in ihrem Vorgehen: Ob des derben Medienechos rudert man nun wieder zurück und hat die kritischen Passagen entfernt.


Bei Facebook schlagen die Wogen gerade hoch: Facebook will angepaßte Werbung einblenden, und zwar nicht nur auf die Webseite, sondern auch in die restliche Kommunikation wie z.B. in Chats. Empörte Benutzer formieren sich in der Facebook-Gruppe Stop invading my privacy!
Facebook macht's vor - ich frage mich, wie lange es dauert, bis StudiVZ nachzieht.


Diese Animation kritisiert die Privacy-Richtlinien von Facebook (die sich praktisch mit dem Satz "we own you" zusammenfassen läßt) und zeigt einen möglichen Pfad der Datenweitergabe zu amerikanischen Institutionen wie der CIA.


Spiegel Online hat ein Interview mit Konstantin Urban, dem Chef von Holtzbrinck Networks (die Verlagsgruppe, die StudiVZ gekauft hat) geführt. Auf die Probleme mit der Datensicherheit angesprochen, sagt dieser:
Die Datensicherheit ist jetzt gegeben. Unlängst hat der Chaos Computer Club vergebens versucht, sich ins System zu hacken. Auch die Seite ist jetzt stabil.
Ich glaube, ich brauche ein Beißholz... "der CCC" (als Verein) hackt keine Seiten auf Bestellung, macht keine Penetration Tests gegen Bezahlung und hat sich auch sonst immer dagegen verwehrt, daß sein Name als "Gütesiegel für Sicherheit" mißbraucht wird.
Update: Wie dieser Artikel (insbesondere dieser Screenshot) zeigt, ist bei StudiVZ eine Gegendarstellung veröffentlicht worden... wenn wohl auch nicht ganz freiwillig ;)


StudiVZ Gruppenrelation...hat Hagen Fritsch am Beispiel von StudiVZ auf dem vergangenen Chaos Communication Congress vorgeführt. Dank der (damals vorhandenen) Möglichkeit, StudiVZ automatisiert abzugrasen, konnte er umfangreiche Daten erheben.


StudiVZ wurde für (Update: bis zu) 100 Millionen Euro verkauft - damit haben viele schon tagtäglich gerechnet. Allerdings ist der Käufer entgegen den Spekulationen nicht das Orginal Facebook, von dem so fleißig gekupfert wurde, sondern die Holtzbrinck-Gruppe.
Bei diesen schwindelerregenden Unsummen wundert es nicht weiter, wenn die Aktienkurse im Wechselbad der Gefühle (Hype! Kaufen! Schlecht funktionierender Schrott, ist Out! Verkaufen! *crash*) Achterbahn fahren.


Social Networks wie StudiVZ, Facebook oder MySpace sind absolut hip - bei (meist jungen) Nutzern wie Venture-Capital-Gebern gleichermaßen. In Deutschland ist die Debatte über die Privatsphäre im Zusammenhang mit den Sicherheitsproblemen von StudiVZ (eines von vielen Beispielen hier) laut geworden.

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