Privacy- und Sicherheitsaspekte

Dissertation "Privacy- und Sicherheitsaspekte in ubiquitären Umgebungen" als Buch und als PDF

(Bildquelle: onlineschools.org)
Ein Video, das ich schon längst einmal hier zeigen wollte:
Ob und wie sich das Credo "do no evil" mit der Aussage von Googles CEO Eric Schmidt: ("If you have something you don't want anyone to know, maybe you shouldn't be doing it in the first place") verträgt, darf zu denken geben...
Der Dienst "Google Street View" sorgt ringsherum für große Aufregung: Häufig war zu lesen, daß einzelne Städte und Gemeinden Googles Aktivität komplett verbieten wollen, andere versuchten, es dem Suchmaschinengiganten mit Hilfe von Konstrukten wie einer Straßennutzungsgebühr so unattraktiv wie möglich zu machen. Netzaktivisten protestierten, indem sie an einem Google-Auto einen GPS-Tracker anbrachten und das Auto (oh, Ironie) über ein Google Maps Mashup im Netz verfolgbar machten (Edit: War wohl ein Fake, siehe dieser Kommentar).
Viele Stimmen waren zu hören, daß Googles Aktivitäten illegal seien und gegen das Datenschutz- und das Persönlichkeitsrecht verstößen. Nochmals lauter wurde der Aufschrei, als bekannt wurde, daß Google auch WLAN-Daten sammelt. Was ich sehr spannend finde: Es wird zwar gewaltig über die Verletzung der Privatsphäre gewettert - beizukommen versucht man Google aber nur mit advokatischen Winkelzügen.
Die c't hatte vor anderthalb Jahren einen entsprechenden Cartoon veröffentlicht, jetzt ist es tatsächlich passiert: Mit Google Maps wurde ein Mann des Fremdgehens überführt. Auf den Straßenbildern von Goolge Street View konnte man erkennen, wie sein Auto vor dem Haus der Geliebten parkte.
Vorgestern habe ich über die BND-IP-Adreßbereiche bei Wikileaks geschrieben; eben wollte ich mich über den Fortgang der Dinge erkundigen - und mache dabei eine erstaunliche Entdeckung: Google entfernt offenbar meinen Blog-Artikel aus den Suchtreffern.
Google Street View erlaubt es dem Benutzer von Google Maps, nicht nur einen Blick vom Satellit auf eine Gegend zu werfen - man kann sich auch aus Perspektive der Straße ringsherum umsehen. Dazu fährt Google die Straßen ab und fertigt alle zig Meter Fotos in mehrere Richtungen an. Was auf den ersten Blick eine nette Spielerei ist (hey, schon mal das Hotel angucken, wohin die nächste Reise führt), führt rasch übers voyeristische zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Die Google-Autos erwischen alles: Vom Fahrradsturz des Juniors und sonnenbadende, barbusige Schönheiten, über Nasebohrer und tiefen Einblicken in die Unterwäsche bis hin zu Striplokal-Kunden, Einbrechern und Schießereien auf offener Straße. In Schleswig-Holstein wehren sich Datenschutzaktivisten gegen die nun auch dort herumfahrenden Google-Streetview-Cars; das Landeszentrum für Datenschutz hält die Erfassung für rechtswidrig. Aufgrund der Proteste hat Google das Projekt vorerst zurückgestellt.
Google hat seine Webbrowser-Entwicklung "Google Chrome" veröffentlicht - nach alter Firmentradition als "Beta"-Version. Die ersten Testmeldungen überschlagen sich: Google Chrome wäre sowohl beim Seitenaufbau als auch beim Ausführen von JavaScript der schnellste Browser. Nach knapp 24 Stunden kamen dann aber die ersten Negativ-Meldungen: Mit dem Datenschutz geht Google reichlich großzügig um - unter der Hochglanz-Oberfläche lauert so manche übelriechende Tretmine.
"Google-Gründer machen sich Sorgen um den Datenschutz" / "Privatsphäre der Nutzer bedroht" - so titeln Heise und Golem. Die Google-Gründer sorgen sich um die Daten, welche die Nutzer in der stetig wachsenden Zahl Social Networks hinterlassen. Zum einen bleiben solche Datenspuren lange Zeit erhalten und können so für ein böses Erwachen sorgen (wir alle kennen das Beispiel vom Foto des volltrunkenen Studenten, das dann bei der Bewerbung zum Showstopper wird); zum anderen zwingt die Konkurrenz der Social Networks untereinander die Betreiber dazu, die Daten immer schneller und agressiver auszuwerten und weiterzunutzen, um sich finanziell über Wasser zu halten.
So weit, so gut, durchaus richtig, aber bis hierher nichts Neues. Aber wer hebt da nochmal den mahnenden Zeigefinger? Google?
Fefe hat's schon letzten Freitag berichtet, jetzt hat auch Heise die Schlagzeile: Ein Soziologe aus Berlin ist unter dem Verdacht, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein, festgenommen worden - Anfangsverdacht war eine Internetrecherche, die zu wissenschaftlichen Publikationen von ihm führte. In diesen verwendete er Begriffe, welche die Polizei der sogenannten "militanten Gruppe" zuordnet, im wissenschaftlichen Sprachgebrauch aber vollkommen normal sind.
Der Film Master Plan - about the power of Google beschreibt die möglichen Schattenseiten von Google - und weshalb die Autoren dem Firmenmotto "don't be evil" nicht ganz über den Weg trauen. Im Gegensatz zu Epic 2015 geht es hier ausschließlich um Google selbst und mögliche Entwicklungen in der nächsten Zeit. Von der Optik an den Film über Trusted Computing angelehnt, ist er sowohl grafisch als auch inhaltlich sehenswert (wer kein Flash hat: Hier gibt es ein zip-File mit dem Video im mp4/iPod-Format).