Privacy- und Sicherheitsaspekte

Dissertation "Privacy- und Sicherheitsaspekte in ubiquitären Umgebungen" als Buch und als PDF
datenschutz
Heute abend um 23:30 läuft im ZDF die Reportage "Der gläserne Deutsche - Wie wir Bürger ausgespäht werden" (Edit: Wer sie verpaßt hat, kann sie hier in der ZDF-Mediathek ansehen... man, I love that feature! Außerdem gibt es eine Kopie bei archive.org). Ähnlich wie die Sendung "Wer hat meine Daten?" von vor zweieinhalb Jahren (zu sehen bei Youtube oder als Download von diversen Servern) berichtet die Reportage über die erschreckende Leichtigkeit, wenn man private Daten erstehen möchte, den leichtfertigen Umgang der Menschen mit ihren Daten, sowie Situationen, in denen man zur Datenherausgabe gezwungen wird - so führt wohl die Deutsche Post ein umfangreiches Datenregister, in welches unter anderem die Daten von Nachsendeanträgen einfließen.
Nach jedem pressewirksamen Skandal dauert es nicht lange, bis der erste Politiker vorprescht, der Regierung (bzw. dem Koalitionspartner) Handlungsunfähigkeit und Trägheit vorwirft - und so versucht, das medienrelevante Thema für sich zu proklamieren. So fordert Sebastian Edathy "mehr Datenschutz noch vor Weihnachten" nach dem aktuellen Kundendaten-Skandal: Es ist dringend nötig, "daß der außer Kontrolle geratene Datenhandel endlich gestoppt werden muß". Daten sollen nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Kunden weitergegeben werden dürfen, außerdem sollen Vertragsabschlüsse nicht mehr an die Einwilligung zur Weitergabe von Daten gebunden sein.
Wie bereits gestern erwähnt, waren die Paßdaten mehrerer Einwohnermeldeämter frei im Netz abrufbar. Inzwischen ist die Fernsehsendung gelaufen, und allmählich kommen mehr Details ans Licht. Was jedoch im Dunkeln bleibt, ist die Liste der Städte, die betroffen waren - und damit auch der Bürger, der nun keine Ahnung hat, ob seine Daten für Dritte einsehbar waren.
Heise weist auf einen Beitrag der Sendung "Report aus München" (heute, 21:45h im Ersten) hin. Deren Recherchen nach waren die Daten der Bürger aus rund 200 Städten frei im Internet zugänglich - und das (laut Aussage der Softwarefirma) seit März diesen Jahres. Die Zugangsdaten standen bei der verantwortlichen Softwarefirma auf deren Homepage. Von etwa einer halbe Million Bürgern waren Adressen, Religionszugehörigkeit und Paßbild abrufbar.
Edit: Laut dem Bericht bei netzpolitik.org Waren die Daten wohl schon länger abrufbar; der dortige Text läßt vermuten, daß das Standardpasswort (das man auf der Demoseite der Firma einsehen konnte) bei den betroffenen Gemeinden nicht geändert wurde.
Ein Gutachten der EU-Datenschützer schlägt eine gesetzlich vorgeschriebene maximale Speicherungsdauer für personenbezogene Daten vor - dabei haben sie insbesondere Suchmaschinen im Visier.
Die Creative Commons-Lizenzen haben es vorgemacht: Die Kernaussage der Lizenzvereinbarung wird in Form von einprägsamen Piktogrammen dargestellt - sehr praktisch, da sich wohl nur die wenigsten die Mühe machen, einen länglichen Text durchzulesen.
Analoges wurde auf Netzpolitik.org für Datenschutzerklärungen vorgeschlagen. Die Wahl der Aussagen scheinen an den P3P-Standard angelehnt zu sein. Eine sehr praktische Idee, wie ich finde! So kann man auf einen Blick erkennen, woran man ist.
(via Fontblog)
Die Sendung "Betrifft: Wer hat meine Daten? Wie wir täglich ausspioniert werden" wird in den kommenden Tagen auf 1extra wiederholt (Danke an Steffen für den Hinweis).
Der Journalist Erich Schütz ist der Frage nachgegangen, woher die Firmen, die ihn persönlich bewerben, seine Adresse herhaben - und weshalb sie gerade ihm diese Werbung schicken. Adressenhandel, Kundenkarten und Schufa-Ranking sind dabei große Themenblöcke. Eine sehr sehenswerte Sendung!