Hamburger Wahlstift vom Tisch

Der Hamburger Wahlstift ist endgültig vom Tisch. Die kommende Bürgerschaftswahl wird rein manuell stattfinden; ob der Wahlstift in Zukunft als Wahlhilfe oder Wahlgerät Verwendung finden wird, ist jedoch noch nicht geklärt. Damit liegt die 4,5 Millionen Euro schwere Investition erstmal auf Eis - und wandert (hoffentlich) in die Mülltonne der Geschichte. Nicht unerheblich zu dieser Entscheidung beigetragen haben die Recherchen des CCC, die verschiedene Angriffsszenarien ergeben haben, wie Wahlen mit dem Wahlstift manipuliert werden können.

Das eigentlich Erschreckende daran ist, daß es ein System, das dermaßen br0ken ist, überhaupt soweit geschaftt hat. Man lasse sich allein die folgenden Fakten auf der Zunge zergehen: Der Wähler macht sein Kreuz wie gewohnt auf einem Stimmzettel, den er anschließend abgibt. Gleichzeitig erfaßt ein Scanner im Wahlstift einen Barcode auf dem Stimmzettel und registriert für diesen Code eine Stimme. Sollte es Ungereimtheiten oder Unregelmäßigkeiten bei der "Auszählung" (also dem Auslesen und Aufaddieren der Wahlstift-Zählung) geben, so ist... der Wert aus dem Speicher des Stifts entscheidend. Die Papierstimme wird nicht als Backup für Unstimmigkeiten genutzt, sie ist ein reines Dummy. Der Wähler kann den Stimmzettel nach dem Kreuz auch zerknüllen und wegwerfen. Aua.
Zum Glück ist das erstmal vom Tisch. Gratulation an die fleißigen Aktivisten in Hamburg!

Weiteres zum Thema bei netzpolitik.org und ravenhorst. Der Artikel bei Heise enthält ebenfalls eine lange Hisrorie von Artikellinks, welche die Entwicklung des Falls schildern.

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