Private Kommunikation nur noch per Brief?


Diese These war der Aufmacher des Heute-Journals vom 6.11.07 zu den Protesten gegen die Vorratsdatenspeicherung:
"Vielleicht stehen wir vor der Rennaissance des handgeschriebenen Briefs: Persönlich vorbeigebracht und nach Lektüre aufgegessen oder verbrannt. Da haben Sie noch die Chance, daß Vertrauliches vertraulich bleibt."
Das Tragische daran: Ich würde fast darauf wetten, daß binnen Jahresfrist aus der Politik laute Rufe kommen, daß die Post kein rechtsfreier Raum sein darf (und man auch hier die Information, wer an wen Post schickt vorratsdatenspeichern müsse) - wo kämen wir denn da hin, wenn jeder vollkommen anonym Briefe mit Bombenbauanleitungen (oder, noch schlimmer als im Internet: Die Bomben selbst) verschicken könnte?
Edit: Positiv bleibt festzuhalten, daß die Demonstrationen ausreichend Medienecho erzeugt haben, daß es sogar einen längeren Bericht in den Nachrichten gab (auch wenn der Aufmacher vielleicht etwas unglücklich klingt).

(Video entdeckt via Netzpolitik.org)

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Das ist dummes Mediengerede

Das ist dummes Mediengerede und nicht stimmig. Wie war das nochmal mit den Durchsuchungen der Post in Hamburger Postämtern im Vorfeld von Heilgendamm? Jeder kennt bestimmt mindestens eine Person, die etwas per Post versendet hat, was dann nie ankam. Und bezüglich Vorratsdatenspeicherung: Adresse des Absenders und Empfängers werden elektronisch gescannt. Per RFID in den Transportstationen des Postguts und Sachen wie Stamp-It kann man sogar den gesamten Weg nachverfolgen.

Dabei ist es ganz einfach in Zeiten der VDS: Post, Mobilfunk-, Festnetz- (und mit Einschränkung VoIP-) Kommunikation ist unsicher, verschlüsselte und anonymisierte Kommunikation per E-Mail und Instant Messaging sind sicher.

Um analog dazu "vor der VDS sichere" Postkommunikation zu betreiben, müsste schon jeder Post ohne Absender versenden, im Brief auf persönliche Identifizierungsmerkmale verzichten und sich mit dem Empfänger auf Codes bzw. kodifizierte Äußerungen verständigen. Bei geringen Entfernungen zueinander "direkte Zustellung" über tote Briefkästen.

Ich seh' schon, ich muß vorsichtiger formulieren :-)

Daß der Vergleich nicht 100%ig stimmt (oder praktikabel ist), ist - so dachte ich - klar. Es war der Aufmacher für den Beitrag zur Vorratsdatenspeicherung, der (so vermute ich) deutlich machen sollte, daß die Überwachung der elektronischen Kommunikation in deutlich krassere Dimensionen im Vergleich zum postalischen Verkehr vorstößt. Klar, es gibt Gesetze, welche das Briefgeheimnis einschränken, und: Ja, diese Ausnahmen wurden z.B. im Kontext Heiligendamm extensiv genutzt. Aber eine Vorratsdatenspeicherung (wer hat an wen welchen Brief geschickt) gibt es nicht - oder zumindest noch nicht (was auch der Punkt ist, auf den die Panorama-Moderatoren anspielten).

Wenn man so etwas implementieren wollte: Bei Verfahren wie StampIt bekäme man die Daten auf dem Silbertablett geliefert, aber beim regulären Brief-mit-Marke-Procedere wird es schon schwieriger: Das Weglassen oder das Benutzen einer willkürlichen Absenderadresse verschleiert den wahren Ursprung des Absenders - eine Eigenschaft, die bei der Internet-Kommunikation nur mühselig (und mitunter unzureichend) über Anonymizer realisiert wird. Die Identifizierung des Absenders anhand spezifischer Merkmale im Inhalt des Briefs ist vermutlich noch immer in den meisten Fällen möglich (vom textuellen Inhalt über das Schriftbild bis hin zu Fingerabdrücken) - allerdings ist dies aufwendig und schwer automatisierbar, damit ist dem Einsatz im großen Stil eine technische Grenze gegeben.