“Buchbinder Wanninger” beim BKA

Ob sich der gute Mensch wie der sprichwörtliche Buchbinder Wanninger fühlte? Ein Mitarbeiter von Kaspersky war über eine Seite mit Kreditkartennummern gestolpert, und wollte seinen Fund umgehend beim BKA melden; dummerweise war es bereits Freitag Nachmittag, weshalb sich das ganze als nicht allzu einfach gestaltete. Sein Blogeintrag, ebenso wie ein Bericht in der Süddeutschen Zeitung, lesen sich wie eine schlechte Glosse: "Die Kollegen sind schon im Wochenende, schicken sie uns doch eine Mail an info@bka.de"!
Man stelle sich eine analoge Szene in der analogen Welt vor...

Mann mit Strumpfmaske betritt am Samstag Vormittag einen Supermarkt und schießt in die Luft. Hysterische Szenen, Kunden rennen kreischend hin und her. Panisch greift ein Mitarbeiter zum Telefon und wählt den Notruf:
"Hier ist ein Bewaffneter, der uns bedroht und unser Geld will." "Schießt er auf sie?"
"Nein, noch nicht."
"Wird er gehen, wenn sie ihm die Kasse geben?"
"Hoffentlich."
"Gut, geben sie ihm das Geld und schreiben sie uns eine Mail. Wir kümmern uns am Montag darum."
"Wiebitte???"
*klick* *düüütdüütdüüüt*

Gut, in diesem Fall schoß zwar niemand in die Luft, dafür dürfte es um eine deutlich größere Geldsumme gegangen sein; immerhin waren auf der Seite nicht nur Kreditkartennummern, sondern auch zugehörige Namen, Sicherheitscodes (die dreistelligen Zahlen, die Kreditkarten plötzlich sicher machen sollen) und weitere Details zu sehen. Und obendrein waren die Daten frisch, wie die Stichprobe des Kaspersky-Mitarbeiters bestätigte.

Wenn einer Privatperson die EC- oder Kreditkarte gestohlen wird, muß diese den Diebstahl unverzüglich melden - ansonsten muß er mit einer Teilschuld bei der Erhebung des entstandenen Schadens rechnen.
Wenn man aber so einen Fund im Netz macht, muß man erst mit Amerika und Rußland Kontakt aufnehmen, damit etwas passiert...

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